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Wichtig ist, dass jemand zuhört

Natascha Affemann (Mitte), verabschiedete Monika Buchheit (links) und Renate Braun-Schmid aus dem „Lebenskaffee“.

„Trauern will gelernt sein.“ Mit diesem Motto haben Monika Buchheit und Renate Braun-Schmid immer wieder sonntags Menschen eingeladen, denen das Leben wegen eines Verlustes schwerfiel. Nach über zehn Jahren hören sie nun auf.

Begonnen hatten sie zu dritt: Krankenhauspfarrerin Ingrid Mittler, Monika Buchheit, vormals Frohes Alter Böblingen, und Renate Braun-Schmid, die durch Ingrid Mittler vom Schönaicher Hospizdienst dazukam. Alle drei hatten Erfahrung mit Sterbenden und deren Angehörigen und wussten, dass Letztere nach dem Tod eines geliebten Menschen Trost brauchen.

Sie erkundigten sich nach Projekten in ganz Deutschland und entwickelten dann selbst ein Modell. Sonntagnachmittag – das wusste Monika Buchheit von ihren Senioren – ist eine besonders schlimme Zeit, denn die Kinder und Enkel sind unterwegs oder mögen die Klagen der Trauernden nicht mehr hören. Also suchte sie einen Raum für diese Zeit und fand ihn im Böblinger Haus. „Zuerst waren wir im Keller. Aber der war so trist und dunkel, dass wir bald in einen abgetrennten Teil des oberen Saals wechselten und später in den Wintergarten.“

Gut war, dass dies ein neutraler Ort war, unabhängig von einer Kirche oder Organisation. Seit 2016 sind sie im Gartenzimmer des Generationenhauses mit Blick auf den See. „Wenn die Menschen kommen, ist es erst einmal egal, welche Religion sie haben“, sagt Renate Braun-Schmid. „Wichtig ist, dass jemand da ist und zuhört.“ Das Lebenskaffee ist eine offene Veranstaltung. Wenn sich Grüppchen bilden, die sich dann auch außerhalb treffen, ist das Ziel erreicht. Deshalb sei es wichtig, dass immer zwei Begleiterinnen da sind, damit sie sich auch um die anderen kümmern können.

Jeder Mensch trauert anders, erzählen sie. Ein jüngerer Manager kam das erste Mal in Begleitung einer Verwandten und weinte bitterlich um seine verstorbene Frau. Beim dritten Mal redete er drei Sätze. Dann fehlte er, kam aber nach einem Vierteljahr wieder und bedankte sich, dass er gelernt habe, als Mann Gefühle zeigen zu dürfen.

Manche sitzen nur da und hören zu. Wenn jemand Neues seine Geschichte erzählt, geben die anderen schon mal Tipps. Andere kommen nur einmal und erwarten zu viel. „Das Lebenskaffee bietet keine um seine verstorbene Frau. Beim dritten Mal redete er drei Sätze. Dann fehlte er, kam aber nach einem Vierteljahr wieder und bedankte sich, dass er gelernt habe, als Mann Gefühle zeigen zu dürfen.

Manche sitzen nur da und hören zu. Wenn jemand Neues seine Geschichte erzählt, geben die anderen schon mal Tipps. Andere kommen nur einmal und erwarten zu viel. „Das Lebenskaffee bietet keine Therapie“, betont Renate Braun-Schmid. Wer die traurigen Gedanken oder gar Schuldgefühle nicht los wird, bekommt die Adressen von Beratungsstellen. Wenn aber eine Frau nach einem Jahr in Trauerkleidung einen neuen Lippenstift kauft, gehen bei den Leiterinnen die Lichter an. Besteht eine Witwe dagegen darauf, dass ihre Kinder sie sonntags zu besuchen hätten, versucht Monika Buchheit zu erklären, dass die Kinder auch ein Recht auf Leben haben und sie selbst Abwechslung suchen muss.

Doch die Einstellung, der Familie nicht zur Last fallen zu wollen, verstärke sich, weiß Natascha Affemann, seit vier Jahren Leiterin des Ökumenischen Hospizdienstes Böblingen. Sie schenkte Monika Buchheit und Renate Braun-Schmid Blumen für ihren langen Einsatz.

Am 23. April gestalten die beiden ihr letztes Lebenskaffee. „Langsam kommen auch wir an unsere Grenzen“, sagt die fast 70-jährige Monika Buchheit, die nun noch Reisegruppen begleitet. Renate Braun-Schmid ist hauptberuflich Leiterin der Sozial- und Lebensberatung bei der Diakonie in Freudenstadt. Ingrid Mittler hatte schon früher aufgehört. Nun sucht Natascha Affemann ein neues Team, möglichst mehrere Personen, die sich abwechseln können. Vielleicht ist es dann möglich, die Sommerpause nicht so lang zu lassen.

Auf jeden Fall hofft sie, dass am vierten Sonntag im September, also am 24. September um 15 Uhr, die Tür im Treff am See wieder aufgeht.