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Vom Sterben für das Leben lernen

Serie zu Hospizdiensten im Kreis Böblingen, Teil 3: Ohne ehrenamtliche Begleiter geht es nicht

Artikel aus der Kreiszeitung / Böblinger Bote vom 31. August 2020 - 18:42

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Hospizbewegung ist aus dem ehrenamtlichen Engagement entstanden und wird bis heute ganz wesentlich von Ehrenamtlichen getragen. Sie sind eine wichtige Säule im multiprofessionellen Hospizteam und nicht wegzudenken.

Die Ehrenamtlichen engagieren sich nach ihrer Schulung meist zwei bis vier Stunden pro Woche und besuchen sterbende Menschen und ihre Angehörigen zuhause, in Alten- und Pflegeeinrichtungen, in stationären Hospizen, im Krankenhaus, Behinderteneinrichtungen oder auf einer Palliativstation. Sie bringen Zeit mit und richten sich nach den Bedürfnissen der schwerstkranken und sterbenden Menschen. Sie lesen vor, singen gemeinsam, spielen, machen kleine Ausflüge und vieles mehr.

In den Stunden, in denen es nichts mehr zu tun und zu sagen gibt, sind sie einfach da. Keiner soll am Ende allein bleiben. Angehörigen schenken sie durch ihre Anwesenheit die Möglichkeit, immer wieder eine Auszeit zu nehmen. Sie können in dieser Zeit Erledigungen tätigen, ihren eigenen Bedürfnissen nachgehen oder sich ausruhen. "Der wöchentliche Besuch des Hospizbegleiters bei meinem sterbenden Mann ist für mich wie eine Kraftinsel", berichtet eine Betroffene, "ich freue mich immer sehr darauf. Diese Stunden gehören mir. Ich gehe zu meinem Yoga-Kurs und tanke dort wieder neue Energie. Das hilft mir, durchzuhalten und nicht aufzugeben."

Hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und Pflege gehören nicht zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen. Dies übernehmen Pflegedienste oder die SAPV-Teams. Pflegekräfte und Ehrenamtliche sollten sich jedoch ergänzen und oft in enger Abstimmung arbeiten. Weiterhin sind Ehrenamtliche nie auf sich allein gestellt, weder im ambulanten noch im stationären Einsatz. Es gibt immer erfahrene hauptamtliche Fachkräfte, mit denen sie während des Einsatzes kontinuierlich im Austausch stehen.

Wer kann Hospizbegleiter werden? Grundsätzlich jede und jeder. Hier zählt nicht das Geschlecht, das Alter oder der Beruf, sondern die eigene Persönlichkeit. Hospize leben von der Vielfalt der Menschen. Je bunter das Hospizteam, desto leichter fällt es, für Sterbende und ihre Angehörigen, den "passenden" Ehrenamtlichen zu finden. Grundsätzlich gilt: Die Chemie zwischen zwei Menschen muss stimmen, dann kann eine vertrauensvolle Beziehung entstehen.

Voraussetzung für eine ehrenamtliche Mitarbeit ist die Bereitschaft, sich selbst mit "Sterben, Tod und Trauer" auseinanderzusetzen und sich auf die Begleitung von schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen einzulassen. "Die Teilnehmenden sollten neben einer großen Sensibilität und einem Maß an Belastbarkeit auch über eine zeitliche Flexibilität verfügen", erläutert Daniela John vom ambulanten Hospizdienst Leonberg. Das Engagement umfasse 10 bis 20 Stunden im Monat, zudem sei die Teilnahme an regelmäßigen Supervisionen und Fortbildungen notwendig. Umfassend und intensiv werden alle Ehrenamtliche vor Beginn des Engagements im Hospiz in das Thema eingeführt und auf die Aufgabe vorbereitet. Hospizdienste bieten Schulungen an, die auf verbindlichen Qualitätsstandards beruhen. Sie dauern meist ein halbes Jahr und beinhalten auch ein Praktikum.

Freiwillige brauchen ein "Rüstzeug" für diese Aufgabe

Wer sich für dieses Ehrenamt entscheidet, braucht ein "Rüstzeug". Damit er mit den Menschen, die sich an den Grenzen des Lebens befinden, angemessen umgehen kann. Die Begleiter benötigen vielfältige Informationen - theoretische und praktische. "Durch viele praktische Übungen, theoretische Wissensvermittlung und viel Austausch über das eigene Erleben wurden wir langsam an die Hospizarbeit herangeführt", berichtet eine Ehrenamtliche, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen hat, "die Schulungszeit war eine spannende Reise zu mir selbst." Die Gruppenteilnehmer seien ihr ans Herz gewachsen. "Es wurde gemeinsam gelacht und geweint." Für sie persönlich sei die ehrenamtliche Tätigkeit im Hospiz zur Herzensangelegenheit geworden. "Die Arbeit gibt mir viel für mein eigenes Leben zurück." Nach der Vorbereitungszeit erhalten die Ehrenamtlichen begleitend zu ihrer Praxis Supervision und Reflexionsgespräche. Denn keiner soll mit dem Erlebten völlig allein gelassen werden.